Alex Wignall “Waiting For August“

wignall_august_lp_coverDass Alex Wignall einen Sinn fürs Melodische hat, kann man bereits auf seinem Vorgänger-Album hören: Auf „Solitude“ standen Balladen aus dem Standardrepertoire des Jazz im Fokus und das Herzstück einer Ballade ist zweifelsfrei ihre Melodie, die dann frei und fantasievoll ausharmonisiert und in Szene gesetzt wird.

Auf seinem Trioalbum Waiting For August zeigt sich Alex Wignall nun auch in seinem großen rhythmischen Facettenreichtum. Kraftvoll und dynamisch bewegt er sich zusammen mit seinen exzellenten Triokollegen André Nendza am Kontrabass und Joshua Roberts am Schlagzeug durch fünf Eigenkompositionen und zwei Neuinterpretationen von Stücken aus dem Synth-Pop-Bereich („Twice“ von Little Dragon) und aus der Filmmusik („Chim Chim Cheree“ aus dem Film „Mary Poppins“). Man begegnet einem in viele musikalische Richtungen offenen Trio, das eine klare eigene Sprache gefunden hat: Spannend, virtuos und farbig ohne sich ins Kryptische zu verlieren.

Schon in den ersten Sekunden von Waiting for August wird deutlich, dass Alex Wignall ein hochvirtuoser Pianist ist, der sich in punkto Geläufigkeit und sensibler Anschlagskultur auf Augenhöhe mit klassischen Pianisten befindet. Virtuos auch das Zusammenspiel des Trios, das sich insbesondere durch eine enge rhythmische Verzahnung und gemeinsam gestaltete Spannungsbögen auszeichnet. Die Kompositionen besitzen einen hohen Wiedererkennungswert und laden zum Mehrmals-Hören ein. Sehr poetische, sparsam instrumentierte Momente stehen im angenehmen Kontrast zu komplexen rhythmischen Mustern und expressiven Soli über sich immer weiter verdichtende Vamps.

Als besonderes Highlight kann man auf dem Album außerdem erleben, wie nahe sich Sprache und Musik stehen. Alex Wignall transkribierte die Sprachmelodie aus einem Interview mit dem Jazz-Posaunisten David Baker, um sie anschließend für sein Trio zu arrangieren und – aufs Äußerste synchron – mitzuspielen. Der Inhalt des Interviews vertieft sich so auch auf musikalische Weise, indem das Trio die Sprache fließend in Musik verwandelt: Aus dem groovigen finalen Loop „melody to harmony to rhythm“ wird dadurch in gewisser Weise sogar „language to melody to harmony to rhythm“.

Die Summe dieses Albums ist größer als ihre Einzelteile. Die Aufbruchsstimmung, die Unverbrauchtheit der Ideen sowie die selbstsichere Ruhe des sorgfältig immer tiefer in die Geheimnisse der Musik vordringenden Musikers Alex Wignall führen dazu, dass aus Melodie, Harmonie und Rhythmus am Ende richtig gute Musik wird.  Olivia Trummer

Alex Wignall “Waiting For August“
flavoredtune records

Print Friendly, PDF & Email

You must be logged in to post a comment Login