George Benson „Walking to New Orleans“

georgeAuf “Walking To New Orleans” kehrt George Benson zu seinen Americana-Wurzeln zurück. Sein neues Album widmet der Sänger und Gitarrist sowohl der Piano-Hitmaschine aus New Orleans, Fats Domino, als auch dem Rockpoeten Chuck Berry. „Die beiden waren fantastisch und ich bin ein großer Fan ihrer Musik.“, sagt der zehnfache Grammygewinner. „Berry war ein großartiger Musiker und Entertainer und Fats Domino hat einen Hit nach dem anderen geschrieben.“

„Walking To New Orleans“ ist das erste Album der Jazz-Pop- und R’n‘B-Legende seit dem 2013 erschienenen „Inspiration“. Letzteres war ein Tribut an Nat King Cole, doch das neue Werk könnte nicht unterschiedlicher sein. Während Benson Coles Melodien damals mit üppigen Orchester-Arrangements verzierte, begab er sich für „Walking To New Orleans“ zusammen mit vier der berühmten Nashville Cats in das Ocean City Studio, das in einer jahrhundertealten neogotischen Steinkirche im Music Row-Distrikt in New Orleans beheimatet ist.

„Walking To New Orleans“ wechselt zwischen Songs von Berry und Domino hin und her, als würde Benson einen musikalischen Dialog zwischen Missouri und Louisiana moderieren. Es beginnt mit Berrys nachdenklichem „Nadine (Is It You?)“ aus dem Jahr 1964, auf dem Benson im Gleichklang sein Gitarrensolo spielt. Auf den darauffolgenden R’n’B Hits von Domino steht Bensons Gitarre auf „Ain’t That A Shame“ stellvertretend für die ursprünglichen Saxophon-Solos und auf „Rockin‘ Chair“ bringt eine Horn-Sektion eine völlig neue Stimmung in den Song.

Chuck Berry würdigt er weiter mit dem gutgelaunten „Time You Catch Me“, dem geschmeidigen „Havanna Moon“, dem übermütigen „Memphis, Tennessee“ und dem bluesigen „How You Changed“. Fats Domino ist mit dem ausgelassenen „I Hear You Knocking“, „Blue Monday“ und dem legendären Titelsong des Albums vertreten.

Chuck Berry war bereits Mitte der 50er Jahre eine Berühmtheit, als Benson noch kleine R’n’B-Gigs in und um seine Heimatstadt Pittsburgh spielte. Benson verschrieb sich nie explizit dem Rock’n’Roll, dennoch spürte er, dass sich die Gitarre zum beliebtesten Instrument der Welt entwickelte und er gab den Leuten, was sie hören wollten. „Es war ziemlich schwer, mit den Jukeboxen der Clubs zu konkurrieren, also spielte ich einfach mit ihnen.“, witzelt er. „Man musste nur eine Prise Entertainment dazu geben und schon hatte man das Publikum gewonnen.“ Er gibt zu, sich auf der Bühne jahrelang an Chuck Berrys berühmtem Duckwalk versucht zu haben.

Für Benson gilt Berry als einer der bedeutendsten Gitarren-Pioniere. „Als er sich keinen großen Verstärker leisten konnte, nahm er einfach einen alten, kleinen mit eingebauter Verzerrung und drehte diesen laut auf. Er war ein früher Erfinder des sogenannten ‚Fuzz‘-Sounds.“ „Dennoch hatte ich nie daran gedacht, ihn einfach nur nachzuahmen. Ich habe nicht einmal versucht, seine Licks nachzuspielen.“, erzählt er weiter. „Es gibt nur einen Chuck Berry auf dieser Welt!“

Und genauso gibt es auch nur einen George Benson, weshalb die britische „virtuelle“ Band Gorillaz den Gitarristen höchstselbst für die erste Single ihres 2018 erschienenen Albums „The Now Now“ engagierte. Im zugehörigen Video, das bis heute über 56 Millionen Mal angeklickt wurde, „spielt“ Jack Black Bensons Part. Zu Fats Domino hatte Benson nie persönlichen Kontakt, dennoch kam er seinem Idol bereits in Jugendjahren sehr nahe. „Die Jungs aus seiner Band hatten mich als Teenager irgendwo spielen hören und sagten, sie könnten mir eventuell einen Job als Gitarrist in Fats Band verschaffen.“, erinnert er sich. „Ich habe mich zu Tode erschreckt, immerhin war ich damals erst 15 oder 16 Jahre alt.“

Benson meint scherzhaft, dass sich etwas Besonderes im Wasser von New Orleans befinden müsse. „Aus dieser Stadt ist noch nie etwas Schlechtes gekommen. Alles, was ich bisher von dort gehört habe, war ausgesprochen lecker.“ Diese Köstlichkeit ist auch auf seinem neuen Album zu hören, das er mit einem Quartett erstklassiger Session-Musiker aus Nashville dort aufgenommen hat. Schlagzeuger und Musikregisseur Greg Morrow ist ein langjähriges Mitglied der Liveband von Amy Grant und ist auf Hits von Blake Shelton, Kenny Rogers und Trace Adkins zu hören. Rob Mc Nelley wurde 2014 als Gitarrist des Jahres von der Academy Of Country Music ausgezeichnet und spielte gemeinsam mit Dolly Parton, Dierks Bentley und Lady Antebellum. Der ehemalige Delbert McLinton-Bandleader Kevin McKendree ist für die Fats Domino-Triolen am Klavier verantwortlich und Bassistin Alison Prestwood wirkte bei den Aufnahmen zu Brooks & Dunn, Little Richard, Peter Frampton und Blake Shelton mit.

Produziert wurde das Album von Kevin „The Caveman“ Shirley, der bereits mit Journey, John Hiatt, Iron Maiden und Joe Bonamassa zusammengearbeitet hat. Er fing die gute Atmosphäre ein, die während der Aufnahmen herrschte und die Benson als eine der wichtigsten Eigenschaften des Albums ansieht. „Jeder Tag begann damit, dass wir uns gegenseitig im Studio fühlten.“, führt er weiter aus. „Ich wollte, dass dieses Album so klingt, als hätten wir schon immer zusammengespielt. Das hat auch geklappt, weil wir begannen es zu genießen, uns zusammen in einem Raum aufzuhalten.

Was die Musik betrifft: ich musste mich zurücklehnen und an die 50er Jahre erinnern. Ich wollte sie nicht kopieren, aber diese Ära hatte ihre ganz eigene Atmosphäre. Und diese Stimmung brachte uns dort hin, wo wir jetzt sind.“ „Auch Nashville ist eine Welt für sich.“, fährt er fort. „Hätte ich gewusst, wie sehr sich diese Stadt auf meine Psyche auswirken würde, hätte ich dort schon viel früher etwas aufgenommen.“ Bensons einzige Aufnahmeerfahrung in Nashville beschränkte sich bis dato auf das Instrumentalstück „Sunrise“ mit Countrystar Chet Atkins in dessen eigenem Studio.

Niemand hat die musikalische Entwicklung George Bensons genauer beschrieben als der Gitarrist selbst in seiner Autobiografie von 2014: „… von Blues-Cat zu Blues-Jazz-Cat … Von Blues-Jazz-Cat zu Jazz-Cat … Von Jazz-Cat zu Soul-Jazz-Cat … und von Soul-Jazz-Cat bis R&B-Jazz-Cat.“ Benson galt in seiner Heimatstadt Pittsburgh als Wunderkind, und verdiente sich seine ersten musikalischen Sporen mit „Brother“ Jack McDuff, bevor er 1964 sein Debütalbum aufnahm. Später erreichte er großen kommerziellen Erfolg mit dem sanften Jazzhit “Breezin’” und dem R’n’B-Pop-Crossover “This Masquerade”.

Nach dem Erfolg seines von Quincy Jones prodizierten Pop-Albums „Give Me The Night“ im Jahr 1980 folgten weitere erfolgreiche Platten wie „Love All The Hurt Away“, „Turn Your Love Around“, „Inside Love“, „Lady Love Me (One More Time)“ und „20/20“.

Benson wurde insgesamt mit zehn Grammys ausgezeichnet und seit 1977 für 15 weitere nominiert. Unter anderem erhielt er den Preis als „Record Of The Year“ für „This Masquerade“ (1977), “Best Pop Instrumental Performance” für „Breezin'“ (1977) und „Mornin'“ (2007), “Best Male R&B Vocal Performance” für „On Broadway“ (1979) und „Give Me the Night“ (1981) sowie als “Best R&B Instrumental Performance” für „Theme From Good King Bad“ (1977) und „Off Broadway“ (1981).
1990 erhielt er die Ehrendoktorwürde für Musik vom Berklee College of Music. 2009 wurde er von der National Endowment Of The Arts als Jazz-Meister ausgezeichnet, die als die höchste Anerkennung des Landes im Bereich Jazz gilt.

„Walking To New Orleans“ ist Bensons 45. Studioalbum und nur wenige klingen so locker, gerade heraus und voller Freude. Er lächelt: „Wir hatten eine fantastische Zeit, als wir dieses Album aufgenommen haben.“

Tracks
1. Nadine
2. Ain’t that A Shame
3. Rockin‘ Chair
4. You Can’t Catch Me
5. Havana Moon
6. I Hear You Knockin‘
7. Memphis Tennessee
8. Walkin‘ to New Orleans
9. Blue Monday
10. How You’ve Changed

George Benson „Walking to New Orleans“
Mascot Label Group

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