Phal:Angst “Whiteout”

Phal:Angst aus Wien verfolgen seit 16 Jahren mit Konsequenz und Lust am Sich-Weiterentwickeln ihre Vision von elektronischem Industrial und analogem Post-Rock.

Am neuen, bereits 5. Album wurde erneut ein großer Schritt in puncto Sorgfalt und Aufwand gesetzt. Ein Team bestehend aus Alexandr Vatagin (Engineer Kronos Quartett, Pauls Jets, Dives, Electric Indigo), Gerhard Potuznik (GD Luxxe, Mäuse, Labelbetreiber Angelika Köhlermann, Produktion Chicks On Speed), Alexander Lausch (Engineer Die Buben Im Pelz, Paul Plut, Mynth, The New Mourning) und Tobias Wöhrer (Leyya) hat mit der Band über 5 Monate lang produziert, konsultiert, aufgenommen, gemischt und gemastert.

Phal:Angst kommen ursprünglich aus der Do It Yourself Punk/Hardcore Szene der späten 90er und frühen 2000er und haben sich davon lediglich musikalisch entfernt: Neben allen Aspekten der Musik, der Organisation und der Veröffentlichungen hat die Band auch ihre digitale Infrastruktur unter eigener Kontrolle. Mit der im linken Netzkultur-Aktivismus der späten 90er entstandenen Webplattform med-user.net stellt Bandelektroniker Angst einen alternativen, unkommerziellen digitalen Freiraum zur Verfügung, welcher seit jeher gern von Protagonist innen der österreichischen Autonomen- & diy-Szene genutzt wird. Bei Phal:Angst ist alles immer auch politisch, insbesondere technologischer Fortschritt und Musik, ohne Plattitüden oder Zeigefinger. Daran hat sich für die Band seit ihrem Entstehen innerhalb der anarchistischen Szenen nichts geändert.

Zum allerersten Mal wird nun nicht auf dem eigenen Label, sondern gemeinsam mit Noise Appeal Records veröffentlicht. Auch das eine sehr stimmige Entwicklung, handelt es sich bei den Labelbetreibern doch um alte Freunde aus der diy-Punk/Hardcore-Szene, die sich musikalisch aber ebenfalls stark weiterentwickelt haben.

Das Artwork wurde mit Fotos von Kurt Prinz gestaltet. Diese waren zum Teil in dem vom Verlag Text/Rahmen als Gründungsmoment veröffentlichten Band „Sezierte Architektur“ 2016 zu sehen und ziehen einen weiteren Kreis zu Noise Appeal Records und alten Szene-Freundschaften. Musikalisch trägt „Whiteout“ unverkennbar die Handschrift der doch sehr individualistischen, um nicht zu sagen eigenwilligen Band. Es gibt keine Songs im klassischen Sinn, sondern zähflüssige, cinematographische Soundepen, die sich durch Stimmungen mäandern. Diese sind oft dystopisch, melancholisch, aber auch hyperharmonisch mit romantischer Ader.

Die verzerrten Gewaltausbrüche wurden diesmal deutlich zurückgefahren zugunsten noch mehr halldurchtränkter Southern Gothic, wohlklingendem Metallophon, zarten Dub-Ansätzen und repetitiven Sprachsamples zu stampfenden Beats in Slow-Motion. Das bedarf Hörer innen mit Geduld, Ruhe und Aufmerksamkeit. Und eventuell, wenn wie am Ende des Albums die wiederkehrende Zeile „So also ist das Sterben“ zu Krach & Harmonie aus dem Reich der Lebenden trägt, auch mentale Stärke. Darauf muss mensch sich schon einlassen können. Um dann mit dem vollen Genuss der Phal:Angstschen Magie belohnt zu werden.

Tracks
1. Whiteout
2. Severance
3. Least Said, Soonest Mended
4. What Rests Mute In Bright Corners
5. Unhinged
6. What A Time To Be Alive
7. Unhinged (Remix)
8. A Tale Of Severance (Remix)

Phal:Angst “Whiteout”
Noise Appeal

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