Alien Drive „Ghostland“

Die Bitterkeit des Grunge im Britpop-Gewand – Alien Drives zweites Studioalbum „Ghostland“ klingt so als würden Gavin Rossdale und Liam Gallagher nach einer langen Partynacht in den 90ern plötzlich im Jahr 2021 aufwachen. Grunge ist tot, Britpop auch. Die Liebe, sie ist ebenfalls tot. „Ghostland“ ist das was übrig bleibt – die emotionale Wüste eines von Hashtags und Smartphones zertrümmerten Traumes. Dem Traum der letzten großen Generation des Rock ’n‘ Roll.

„Ghostland“ handelt von der Suche nach der verlorenen Liebe und dem verlorenen Gott. Der Opener „Victims on the Broadway“ lässt bereits vorausahnen, dass es hier kein Happy End geben wird. So startet das Album mit dem „Goodbye“ einer weiblichen Stimme, die sogleich von einer Gitarrenwand erstickt wird. Es ist die Stimme einer real verlorenen Liebe und eines zu früh beendeten Traumes, die Alien Drive mit leidenschaftlicher Verzweiflung in der emotionalen Wüste von „Ghostland“ suchen. Eine Suche, die sich auf der Platte in unterschiedlichen Formen präsentiert – mal anklagend, mal energisch, mal hoffnungsvoll und schließlich bitter.

Starke Gitarren, melodische Vocals – mal seicht, mal kratzig. „Will you save us or not?“ fragt der punkig daherkommende Song “Gun” den vermissten Gott – gibt es überhaupt jemanden, dort draußen? „Dying at Your Door“ ist ein weiterer anklagender Schrei in die gähnende Leere. Aber auch mit dem eigenen Versagen setzt sich das Album auseinander – mal in grungig-desillusionierter Weise („Killerboy“), mal in britpop-ironischer Manier („Sorry Again“).

Das Album endet mit der nüchternen Erkenntnis der Kapitulation. Einer Kapitulation, die in Form der Hymne „Mind Erased“ allerdings erhobenen Hauptes daherkommt, mit einer gesunden Prise Britpop-Arroganz und der bewussten Abkehr von einer Welt, in der sich ALIEN DRIVE nicht mehr zu Hause fühlen. Mit „Ghostland“ leiten Alien Drive die musikalische Rückkehr einer Generation ein, die stolz und stoisch ihre Wurzeln verteidigt. Kein Wunder – hatte diese Generation doch schon seinerzeit ihre Hymne in dem Song „Live Forever“ von Oasis gefunden.

Aber wer verbirgt sich eigentlich hinter Alien Drive? Nun, das war schon immer ein kleines Mysterium, da Alien Drive nur wenig nach außen preisgeben. Kreativer Kopf und Sänger der Band ist der in Rom geborene und aktuell in Berlin wohnhafte Marco Pirolo, der bereits im Zusammenhang mit Alien Drives Debut-Album „Are You the Enemy?“ (2015) in Erscheinung trat. Weitere Bandmitglieder werden offiziell nicht genannt. Möglicherweise gibt es die auch nicht…

Tracks
1 Victims On The Broadway
2 Gun
3 Killerboy
4 Dying At Your Door
5 One Way To Go
6 The Ultraviolet Space
7 The Deadlocks In Our System
8 Sorry Again
9 The Ghosts Inside My Mind
10 Edge Of The World
11 Your Way Down
12 Mind Erased

Alien Drive „Ghostland“
‎ STF-Records

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