Annäherung durch Wandel

Der westdeutsche Politiker und der ostdeutsche Schauspieler: Eine späte Männerfreundschaft.

Mitte der Fünfziger arbeitet Lutz Riemann als Schiffbauer in der Peenewerft Wolgast und der Journalist Egon Bahr beim RIAS. Riemann hört regelmäßig in der Nachtschicht auf der Werft Bahrs Kommentare: Das ist ein ausgemachter Kalter Krieger, der gegen die DDR hetzt. Später wird Riemann ein bekannter Schauspieler der DDR und Bahr der Architekt der neuen Ostpolitik der SPD. Als Intimus von Bundeskanzler Willy Brandt ist Bahr viele Jahre eine Schlüsselfigur der Bonner Ost- und Deutschlandpolitik.

Nach dem Ende der DDR begegnen sich Bahr und Riemann zum ersten Mal. Der unverändert politisch und publizistisch aktive Bahr ist der neugierige Journalist geblieben, der er immer war. Er ist neugierig auf den Osten, auf die dort lebenden Menschen, auf das, was sie bewegt und beschäftigt. Es entwickelt sich eine Korrespondenz zwischen beiden, die Fortsetzung findet in Gesprächen auf dem Zeesboot des in Stralsund lebenden Lutz Riemann. Bahr und Riemann segeln auf der Ostsee und durch den Sund, tauschen sich aus, erörtern gesellschaftliche und globale Probleme.

Autoren
Egon Bahr
, der 2015 starb, hinterließ viele Bücher. Aber keines ist so privat, so individuell, so exklusiv wie dieses: mit unveröffentlichten Fotos, mit persönlichen Briefen. Hinzu kommen Schreiben und Texte von Riemann sowie Beiträge Bahrs. Zugleich ist dieser Schriftwechsel auch ein Abbild der verpassten Chancen und Gelegenheiten, weshalb doch nicht zusammenwuchs, was zusammengehörte, wie Bahrs einstiger Chef Willy Brandt befand. Den Zeugen Bahr beispielsweise ließ das Landgericht Berlin im Prozess gegen Egon Krenz im Mai 1997 nicht sprechen, weil der Richter der Meinung war, der Bundesminister a.D. habe von der Materie, die hier erörtert würde, keine Ahnung. Bahr gab seinen Beitrag zu Protokoll, eine Zeitzeugenstimme, die, in diesem Buch nachzulesen und mit Blick auf das vereinte Deutschland und seinen heutigen Zustand noch einmal bedenkenswert ist.

Lutz Riemann, geboren 1940 in Stettin, studierte nach einer Schiffbauerlehre in Wolgast an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam und an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin. Nach Jahren als Theaterschauspieler in Meiningen, Weimar, Neustrelitz und Berlin arbeitete er für die DEFA und das DDR-Fernsehen; sehr bekannt wurde er als Oberleutnant Zimmermann im »Polizeiruf 110«, den er von 1983 bis 1990 verkörperte. Nach dem Ende der DDR war Riemann als Reporter und Moderator für den NDR tätig. Zusammen mit Michael Schmidt gab er das Buch »Der Untergang der Beluga« heraus.

Hrsg.:
Frank Schumann
, 1951 in Torgau an der Elbe geboren, arbeitet als Publizist und Verleger in Berlin.

Annäherung durch Wandel

Hrsg.: Frank Schumann
Autoren: Egon Bahr, Lutz Riemann
256 Seiten, mit Abb., Broschur
edition ost
Euro 18,00 (D)
ISBN 978-3-360-02806-8

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