The Wide „Smile“

Episch. Energiereich. Unendlich weit. Was unterscheidet ein entzückendes Lächeln von einem breiten Grinsen? Die Finesse, das unterschwellig Subtile, Geheimnisvolle und nicht ganz Eindeutige. So gesehen ist der Titel des neuen The Wide Albums „Smile“ eine Zeitreise ins Unterbewusste, musikalisch zwischen Dream Pop und Indie Rock pendelnd, klanglich perfekt ausbalanciert, fast wie ein eigenes Genre in einem nach Kategorien geclusterten Musikkosmos. Die in Mönchengladbach beheimatete Band sprengt mit ihrem 2. Album (nach „Paramount”, dem Debut aus 2018) nicht nur musikalische Grenzen.

Als Grenzgänger outen sich die 5 Musiker, die aus Schottland, England, der Schweiz und Deutschland stammen, und die sich wie von einem Magneten angezogen immer wieder zusammenfinden, um mit jedem Ton und jeder Note ihrer Songs ein homogenes, raumfüllendes Ganzes zu schaffen. Live erschließt sich dieses Erlebnis sofort, so sphärisch-hypnotisch, von einem fast heldenhaft-melodischen Gesang angeführt, nisten sich die Songs in das fürs Hören und Fühlen zuständigen Gehirnareal ein und lassen einen nicht mehr aus der Schlinge. The Wide entstanden 2016 aus den Dead Guitars. Davor sorgten Sänger Pete Brough, Bassist Kurt Schmidt und Schlagzeuger Hermann Eugster Anfang der 90er Jahre mit 12 Drummers Drumming und dem Album „Loveless“ für Furore.

Heute besteht das Line-Up von The Wide aus eben diesen Dreien und den neu an Bord gekommenen Gitarristen Roo Hobbers und Sebastian Kühl. Roo hat in einigen bedeutenden UK-Bands gespielt, darunter The Vaulted Skies. Sebastian, Youngster der Band, war Sänger und Gitarrist bei Zone5. Beide mit unbändiger Hingabe für atmosphärische Gitarrensounds. Was sich hier allein an Gitarrenarbeit abspielt und im Stereobild breitmacht, unterstützt durch die Akustik-Gitarre von Pete Brough, gehört mit zu den spannendsten Klangszenarien, die im Indie-Bereich in den letzten Jahren auf Materie gebannt und in Megabyte umgewandelt wurden. Produziert, aufgenommen und gemischt wurde „Smile“ übrigens vom Bassisten und Mastermind Kurt Schmidt, den mit Sänger Pete eine ewige Freundschaft und Seelenverwandtschaft verbindet. Und die Songs? „I Believe“, ein pumpender Up-Tempo Opener.

Danach öffnen sich die Schleusen, Musik macht sich breit. Düster, dicht, zuweilen cineastisch und stets von einer nie enden wollenden Sehnsucht geflutet. „See The Light”, ein Slow Waltz, der wie ein Sonnenaufgang in der südafrikanischen Steppe erstrahlt. „Golden Blunder“, ein episches Stück, das in seiner Bowie-esken Art die Gesangsqualitäten von Pete Brough voll zur Geltung bringt. Nach einem spannenden, sphärischen Loop-Intro zeigen Bass, Schlagzeug, wo die Reise rhythmisch hingeht und schieben den Song auf die Dancefloors mainstreamfreier Indie-Läden. Ob Trip oder Traum – „Smile“ fühlt sich an wie wegfliegen und niemals mehr zur Erde zurückkehren. Let the Music do the Talking. Die ist groß.

Tracks
1 I Believe
2 Smile
3 See The Light
4 Angels Wander
5 Alone
6 Shame
7 Golden Blunder
8 Happiness Fades
9 Anything
10 Cry Babies Cry

The Wide „Smile“
Echozone