Larkin Poe „Blood Harmony“

Rebecca und Megan Lovell alias Larkin Poe veröffentlichen mit „Blood Harmony“ ihr neuestes Studioalbum. Den beiden Schwestern und Multi-Instrumentalistinnen aus Georgia ist es gelungen, das Bild einer Südstaatenlandschaft so detailliert heraufzubeschwören, dass die klebrige Feuchtigkeit und die warme Sommerluft auf der eigenen Haut spürbar sind. Ihre Geschichten und der Blues, der abwechselnd stürmisch, traurig und wild beschwingt direkt ins Herz trifft, erwecken ihre Heimat so zu einem reichhaltigen und schillernden Leben.

„Blood Harmony“ bestätigt erneut die starke Musikalität des in Nashville ansässigen Duos. Larkin Poe gelten als eine wesentliche Kraft bei der Gestaltung der Identität des Southern Rock’n’Roll und hauchen dem Genre mit einer zukunftsorientierten Perspektive und weiblicher Stärke neue Energie ein. Nicht umsonst waren sie mit ihrem 2018er Album „Venom & Faith“ für den Grammy für das beste zeitgenössische Bluesalbum nominiert.

„Wir tragen wundervolle Erinnerungen an die Schönheit der Südstaaten-Gastfreundschaft in uns. Es ist eine sehr liebevolle und integrative Energie.“, sagt Leadsängerin und Texterin Rebecca. „Es gibt dort die Idee, dass wir nicht allein sind und es uns Sicherheit gibt, wenn man seine Tür für jeden und jede offen hält. Wir versuchen mit unserer Musik ein emotionales Äquivalent zu vermitteln: seine Tür für jeden zu öffnen und die Menschen auf einen süßen Tee einzuladen.“

„Blood Harmony“ wurde gemeinsam mit dem texanischen Musiker (und Rebeccas Mann) Tyler Bryant produziert. Im Gegensatz früheren Alben wie „Self Made Man“ (2020), das American Songwriter als „für das Stadion gemacht“ lobte, „ohne dabei etwas von seiner nüchternen Beherrschung und Intensität einzubüßen“, sind Larkin Poe von der in sich geschlossenen Herangehensweise abgekehrt. „In der Vergangenheit haben wir uns ganz bewusst nur auf uns selbst verlassen. Dieses Mal fühlte es sich jedoch richtig an, den Prozess zu öffnen. Dennoch ist es eine Familienangelegenheit geblieben.“, fügt Rebecca hinzu.

Megan ist bei Larkin Poe für den Harmoniegesang, die Lap Steel und die Resonatorgitarre zuständig, Rebecca für die Gitarre und die Tasten. Außerdem haben die beiden Mitglieder ihrer langjährigen Liveband hinzugezogen, darunter Schlagzeuger Kevin McGowan und Bassist Tarka Layman. Das Ergebnis ist ein elektrisierendes Werk, das die feurige Vitalität, die sie auf ihren Touren rund um den Globus an den Tag legen, voll zur Geltung bringt.

„Blood Harmony“ wurde hauptsächlich in Rebeccas und Tylers Heimstudio aufgenommen. „Rebecca und ich haben viel Zeit mit der Vorproduktion verbracht, so dass wir, als wir mit den Aufnahmen begannen, bereits alle Details ausgearbeitet hatten.“, sagt Megan. „Wir wollten nicht einen Haufen Takes zusammensetzen, sondern einfach da reingehen und es so live und roh wie möglich klingen zu lassen.“
„Southern Comfort“ war einer der ersten neuen Songs, der geschrieben wurde und gab sofort den Ton Larkin Poes feinfühliger Reflexion über ihre Herkunft vor. Mit seinen mitreißenden Harmonien und dem detailreichen Text („Blue jeans, leaning on a hot car / Broke every string on my old guitar“) vermittelt der heftig stampfende Track sowohl mutige Entschlossenheit als auch die Sehnsucht nach vergangenen Tagen.

„Der Song entstammt teilweise den Gedanken unserer kleinen Tanten in Chattanooga.“, erklärt Rebecca. „Es geht darum, dass Rock’n’Roll-Musiker mit Tattoos auf den Armen ankamen und sie uns einfach hinsetzten und die Pinto-Bohnen, den Kohl und das Maisbrot herausholten.“

Der schwelende Titeltrack von „Blood Harmony“ ist eine weitere Meditation über die Kostbarkeit der Familie und zelebriert einen gewissen ungezügelten Geist, der über Generationen hinweg weitergegeben wird. „‘Blood Harmony‘ entstand, nachdem Megan, unsere Mutter und ich Ruth Ozekis ‚A tale for the time being‘ gelesen hatten, in dem es darum geht, wie wir den Lauf der Zeit wahrnehmen.“, sagt Rebecca weiter. „Es war einfach schön, dass wir alle drei das gleiche Buch gelesen hatten und dann darüber reden konnten, wie es mit unserer Liebe zueinander und zur Musik zusammenhängt.“

Auf „Georgia Off My Mind” liefert das Duo ein schweres, aber schwungvolles Klagelied über das, was wir zurücklassen, wenn wir unseren Träumen nachjagen. „Wie 99% meiner Lieder entstand auch dieser Song spätabends an meinem Küchentisch.“, erzählt Rebecca. „Mein Mann und ich stolperten über die Zeile im Refrain – ‚Tennessee keep Georgia off my mind‘ und es wurde zu einem Liebeslied für die I-24, die Atlanta und Nashville verbindet. Eine Strecke, die wir schon tausende Male gefahren sind.“

Auf „Blood Harmony“ verleihen Larkin Poe ihren Songs gleichermaßen gefühlvolle Sensibilität und mitreißende Wildheit – ein Element, das in der fiebrigen Gitarrenarbeit von „Bad Spell“ voll zur Geltung kommt. „Seitdem ich zum ersten Mal ‚I Put a Spell on You‘ von Screamin‘ Jay Hawkins gehört habe, wollte ich eine weibliche Antwort darauf schreiben.“, sagt Rebecca.
„Ich hatte den Titel ‚Bad Spell‘ schon vor Jahren in meinem Tagebuch notiert, und es hat viel Spaß gemacht, einen Song zu schreiben, dessen Riffs einzig und allein den Zweck der Bösartigkeit und des Prahlens haben.

Vom rasenden Opener „Deep Stays Down“ über das euphorische „Kick The Blues“ bis hin zum stimmungsvollen Zauber von „Lips As Cold As Diamond“ offenbart „Blood Harmony“ eine Band, die mit ihrer Intuition im Reinen ist.

„Wir haben schon immer hartnäckig auf unser Bauchgefühl gehört, und das hat uns immer gutgetan.“, sagt Megan. „Auf dieser Platte habe ich meinem eigenen Spiel und meiner eigenen Stimme mehr vertraut als je zuvor, und wenn ich mir das Album anhöre, klingt es viel mehr nach mir. Darin liegt eine Menge Kraft.“

„Blood Harmony“ ist ein glorreiches Zeugnis dafür, seinen Instinkten treu zu bleiben. Es verkörpert eine freudige Ermächtigung, die die Larkin Poe auf ihre weltweite Fangemeinde ausdehnen wollen, einschließlich der eng verbundenen Gemeinschaft, die sich selbst „Kinsiders“ nennt.

„Das sind Leute, die sich vielleicht noch nie persönlich getroffen haben, aber trotzdem in der Lage sind, sich zu verbinden und miteinander zu kommunizieren, und die sich alle gegenseitig so akzeptieren.“, sagt Rebecca. „Bei unseren Live-Shows spüren wir immer diese liebevolle Aura, und wir sind unglaublich glücklich darüber. Es ist unser allerhöchstes Ziel, dieses Bindeglied für andere zu sein.“

Tracks
1 Deep Stays Down
2 Bad Spell
3 Georgia Off My Mind
4 Strike Gold
5 Southern Comfort
6 Bolt Cutters & The Family Name
7 Blood Harmony
8 Kick The Blues
9 Might As Well Be Me
10 Summertime Sunset
11 Lips as Cold as Diamond

Larkin Poe „Blood Harmony“
Tricki-Woo